Manchmal braucht man nur einen Schubs in die richtige Richtung. Oder?
Podumsdiskussion zu Nudging (v.l.n.r. Dr. Kathrin Loer, Birthe Frenzel, Dr. Max Vetter, Björn Voigt, Verena Exner)
22.05.2019

Manchmal braucht man nur einen Schubs in die richtige Richtung. Oder?

Das und mehr haben wir beim Forum mit Wissenschaft und Unternehmen diskutiert

Unser Förderprojekt „Green Nudging“ soll Unternehmen dabei unterstützen, ihren Mitarbeitenden klimafreundliches Verhalten leichter zu machen, mithilfe von kleinen Anstupsern - sogenannten Nudges. Das Konzept stammt aus der Verhaltensökonomie und wird durchaus auch kritisch hinterfragt, zum Beispiel hinsichtlich der autonomen Selbstbestimmung von Mitarbeitenden. Ob Nudging manipulativ ist und welche Vor- bzw. Nachteile es für ein Unternehmen mit sich bringt, diesen Fragen haben wir uns bei unserem diesjährigen Forum gestellt und sie mit Wissenschaftler*innen wie auch Unternehmen diskutiert.
  
  

Nach einer kurzen Einführung in die Thematik und der Vorstellung des Projektes Green Nudging, lud Martin Grocholl die Expert*innen aus Wissenschaft sowie am Projekt teilnehmende Unternehmen auf das Podium. Am Anfang der Diskussionsrunde stand die Frage, ob diese Art der Verhaltensbeeinflussung ethisch vertretbar sei und ob es gute und schlechte Nudges gebe: Dr. Max Vetter und Dr. Julius Rauber vom Institut ConPolicy, das Projektpartner bei Green Nudging ist, argumentieren, dass es stark auf den spezifischen Nudge und die Intention dahinter ankomme: „Während ein doppelseitiger Druck-Standard vermutlich auf geringe Gegenwehr stößt, kann dies bei anderen Zielen oder Maßnahmen wie zum Beispiel der Veränderung der Organspende hin zu einer Widerspruchslösung schnell ganz anders aussehen“.

Verena Exner, Referatsleiterin bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Osnabrück betonte weiterhin die Wichtigkeit von Transparenz bei diesen Prozessen, aber ebenso das große Potenzial, das hinter dem Konzept steht: „Wenn Konsens besteht, dass wir uns in Sachen Klimaschutz aktiv und transparent anstupsen lassen wollen, ist das eine riesige Chance eine neue nachhaltige Alltagsroutine einfacher zu etablieren.“ Dass es einer offenen Kommunikation im Unternehmen bedarf, um die Mitarbeitenden in Veränderungsprozesse einzubeziehen, findet auch Birthe Frenzel, die an der Universität Greifswald zum Thema promoviert. Dadurch, dass man sein Team in die Entwicklung der Nudges einbeziehe, schaffe man automatisch mehr Akzeptanz.

Doch können Nudges nachhaltig wirken?
Während Max Vetter durchaus die Chance sieht, dass aus neuem Verhalten auch neue Gewohnheiten entstehen, sieht Kathrin Loer von der FernUniversität in Hagen Nudging nur als eine Ergänzung zu bestehenden Instrumenten: „Es braucht zudem ordnungspolitische Maßnahmen. Oft ist es die Kombination von Geboten, Verboten und Anreizen, die durch die Anwendung von „Nudges“ einen besseren Effekt erzielen können.“

Schnell wurde deutlich, dass Nudging ein Konzept ist, das mit einer strategischen Umsetzung und dem Einbeziehen aller Beteiligten einen guten Beitrag zu mehr Klimaschutz im Unternehmen sein kann. Dass das nicht die großen Probleme löst, die auf politischer Ebene beim Klimaschutz angegangen werden müssen, wurde ebenfalls thematisiert. Doch es ist ein Anfang. Diesen Anfang hat auch die Agentur „GfG - Gruppe für Gestaltung“ gemacht und nimmt aktiv an der Pilotphase des Projekts „Green Nudging“ in Bremen teil. „Das Konzept dahinter gefällt uns, weil es niedrigschwellig und individuell ist. Mit unserem Team sind wir gerade dabei, maßgeschneiderte Nudges zu entwickeln“, sagt Geschäftsführer Björn Voigt. An der Pilotphase des Projektes beteiligen sich zehn Betriebe aus Bremen und Bremerhaven. Für die Roll-Out-Phase, die im kommenden Jahr starten wird, suchen wir weitere zehn Unternehmen aus dem Land Bremen.


Übrigens: Unsere Projektwebsite ist passend zum Forum live gegangen!
Unter www.green-nudging.de finden Sie ab sofort alle Informationen und News zum Projekt und zum Thema Klimaschutz und Energieeffizienz durch Nudging und Sie können an den Erfahrungen der teilnehmenden Unternehmen teilhaben. Sie möchten selber aktiv werden? Kein Problem! Wir zeigen Ihnen die notwendigen Schritte, um ihren Mitarbeiter*innen die richtigen Anstöße zum Energie sparen und Klima schützen zu geben.

  

Green Nudging ist ein gemeinsames Projekt von energiekonsens – die Klimaschützer, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik in Berlin, der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg – Rhein-Neckar-Kreis (KliBA) und der Sächsischen Energieagentur (SAENA). Die Projektleitung liegt bei energiekonsens. Green Nudging wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesumweltministerium gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren bis Ende Oktober 2021.

  
Nationale Klimaschutzinitiative