„Enkeltaugliches Handeln muss zum Grundsatz werden!“
26.02.2020

„Enkeltaugliches Handeln muss zum Grundsatz werden!“

Zukunftsunternehmen in Bremen: Sonnentracht hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben

Es ist schwer vorstellbar, wie viele Flüge nötig sind, bis aus den winzigen Nektarportionen, die Bienen von den Blüten mitnehmen, derart riesige Mengen Honig zusammenkommen. Bis unter die Decke stapeln sich Fässer bei der Firma Sonnentracht in Bremen. Das Unternehmen verarbeitet und vertreibt natürliche Süßungsmittel, unter anderem Honig, und ist auf eine intakte Umwelt angewiesen. Das ist aber nur einer der Gründe, aus denen sich das Unternehmen der Nachhaltigkeit sowie dem Klimaschutz verschrieben hat und dafür eine breite Palette an Maßnahmen umgesetzt hat. Darum ist Sonnentracht für uns ein Zukunftsunternehmen in Bremen
  

„Unser Hauptgebäude haben wir 2012 gekauft und es war total heruntergekommen“, berichtet Geschäftsleiterin Karin Lang. Schon die Entscheidung für den Standort am Hohentorshafen in Bremen sei unter nachhaltigen Gesichtspunkten gefallen. „Es ist spannend, dieses alte Industriegebiet in Bremen wiederzubeleben, anstatt auf der grünen Wiese Flächen zu versiegeln.“ Bei der Sanierung des Gebäudes hat sich Sonnentracht gleich für eine ordentliche Dämmung, LED-Beleuchtung, ein Blockheizkraftwerk sowie Photovoltaik entschieden. Durch die zentrale Lage kämen zudem rund 80 Prozent der 70 Mitarbeiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß.

Vegetarische Kantine spart Fläche, Ressourcen und CO2

Eine Herzensangelegenheit ist für Lang die 2018 eingerichtete Kantine. Das liege auch an ihrer Biografie: „Ich bin von Haus aus Köchin und habe Ernährungswissenschaften studiert.“ In der näheren Umgebung von Sonnentracht gibt es für die Mitarbeiter keine Möglichkeit, sich zu verpflegen, sodass sich die oberste Etage in einer Art Turm auf dem Betriebsgelänge geradezu aufgedrängt habe. Mit Blick über den kleinen Hafen bietet das Unternehmen täglich ein kleines Buffet mit einem warmen, vegetarischen Gericht an.
„Die gemeinsame Kantine sorgt für ein gesteigertes Wohlgefühl, fördert das Teambuilding und liefert ein nährstoffreiches Mittagessen“, fasst Lang die Vorteile zusammen. Auch Mitarbeiter*innen von umliegenden Unternehmen sind willkommen, sodass sich wertvolle Synergie-Effekte ergeben. Neben dem reduzierten Flächen- und Ressourcenverbrauch spart die vegetarische Küche auch CO2 ein. Der Bezug regionaler Produkte soll außerdem die heimische Wirtschaft stärken.

Klimaschützendes Verhalten anstupsen

Auch der Mensch ist ein Faktor in der Nachhaltigkeitsstrategie von Sonnentracht. Aus diesem Grund hat sich der Betrieb entschlossen als eines von acht Pilotunternehmen an unserem Forschungsprojekt "Green Nudging" teilzunehmen. Bei Green Nudging geht es darum kleine Anstupser („Nudges“) zu entwickeln, die zu klimabewusstem Verhalten anregen. „Das war eine super Erfahrung“, berichtet Lang. „Unsere Azubis haben dabei mitgemacht und sind über sich hinausgewachsen.“ Es sei wichtig gewesen, zu lernen, wie eingeschliffene Routinen geändert werden können.

„Das Team von energiekonsens hat die gesamte Vorbereitung, Planung und Durchführung der Workshops geleistet, in denen die Teilnehmer geschult, in der Ideenfindung begleitet und für spätere Themenfelder sensibilisiert wurden“, so Lang, die mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist. „Wir haben auf der einen Seite von der Umsetzung der Projekte profitiert, denn alle drei Projekte konnten mit messbaren Einsparungen abgeschlossen werden, unter anderem die Mülltrennung im gesamten Betrieb, die Reduzierung des Verbrauchs von Papier und Druckerpatronen sowie über die Senkung des Stromverbrauchs über die Bildschirmvoreinstellungen.“

Sonnentracht nimmt auch an einem weiteren Angebot von energiekonsens teil und tauscht sich am „effizienztisch“ mit anderen Bremer Unternehmen zu den Themen Energieeffizienz und betrieblichem Klimaschutz aus. Gemeinsam verfolgen die teilnehmenden Betriebe zudem ein CO2-Einsparziel und erhalten umfangreiche Energieneratungen sowie Coachings.

Bio: Von der belächelten Nische in den Mainstream

Für Karin Lang haben Unternehmen eine ökologische Verantwortung: „Alles, was wir tun und nicht tun, hat einen Einfluss auf unsere Umwelt. Wir müssen in der gesamten Kette mehr darauf achten, wie wir leben und was wir bewegen können. Ein enkeltaugliches Handeln, eine enkeltaugliche Landwirtschaft muss zum Grundsatz werden und darf nicht weiter die Ausnahme bleiben!“

Sonnentracht ist 2001 als Bioland-Imkerei von Gerrit Lang gegründet worden. Inspiriert wurde er von seinem Vater Walter Lang, einem Bio-Pionier, der die Firma Allos in Drebber aufgebaut hat. Für Karin Lang gehört klimabewusstes und ökologisches Handeln daher zur DNA des Bremer Bio-Betriebs. „Früher wurden Bios belächelt und die Leute dachten nur an Birkenstock, Schlabberpullis und Müsli“, sagt Lang. „Aber jetzt ist Nachhaltigkeit den Menschen sehr wichtig.“ Seitdem im Jahr 2017 der Jahresumsatz mit Bio-Lebensmitteln erstmals mehr als zehn Milliarden Euro beträgt, sei aus der Nische endgültig Mainstream geworden. Da hatte sich auch Sonnentracht längst vergrößert – und dabei die Umwelt immer im Blick.