Wärmend und trotzdem sparsam: Die energieoptimierte Heizung

Die Heizung – sie sorgt für angenehme Wärme an kalten Tagen, kann aber auch zum ungemütlichen Kostenfaktor werden. Dies muss nicht unbedingt am Alter der Anlage liegen, sondern ist oft auf eine nicht optimale Einstellung zurückzuführen. Robert Schimweg ist Versorgungsingenieur und seit 25 Jahren selbstständig als Bau- und Energieberater – als solcher weiß er, wo sich die kleinen und großen Energiefresser verbergen. Der Axstedter, der Versorgungstechnik in Bremerhaven und Köln studiert hat, ist Mitglied in unserem KMU-Beraternetzwerk.

Herr Schimweg, was schließt der Begriff ‚Heizung‘ im Rahmen eines Energie-Checks eigentlich alles ein?

Zur „Heizung“ gehört zuerst der Wärmeerzeuger, also zumeist der Öl- oder Gaskessel, seltener erzeugt aber auch eine Wärmepumpe oder ein Ofen die Heizwärme. Dieser Wärmeerzeuger erhitzt Wasser als wärmeübertragendes Medium, eine Pumpe pumpt das Wasser durch die Rohrleitungen, die sogenannte Verteilung, in die zu beheizenden Räume. Das warme Wasser erwärmt hier die Heizkörper oder bei Fußbodenheizungen die Rohrschlangen im Estrich, über die große Oberfläche wird die Wärme in den Raum abgegeben. Reguliert wird die Wärmeabgabe durch Voreinstellungen am Wärmeerzeuger und an den Thermostatventilen der Heizkörper. Beim Heizungs-Check werden diese Komponenten auf gute Abstimmung untereinander und technische Funktion überprüft.

Wo genau versteckt sich denn das Einsparpotenzial bei einer Heizungsanlage?

In allen genannten Bauteilen der Heizungsanlage besteht Einsparpotential, oft ist beispielsweise die Rohrleitungsdämmung mangelhaft, Pumpen sind veraltet oder die Steuerungstechnik arbeitet auf Werkseinstellung. Grundsätzlich sollte man bei neuen Anlagen mit der richtigen Auslegung beginnen, denn viele Anlagen werden nicht auf die Bedingungen vor Ort abgestimmt. Oft werden Heizungen überdimensioniert, weil der Wärmebedarf nur grob geschätzt und nicht berechnet wird. Moderne Heizungen können zwar runterregeln, aber dies ist nicht effizient. Die Anlage muss richtig eingestellt sein, immerhin gibt es etwa 100 Werte, die bei einer Heizung justiert werden können! Das sind zum Beispiel der Brenner, Laufzeiten, Pumpendruck, die Heizkurven… Vieles kann man selber eingeben, etwa die tägliche Temperaturabsenkung während der Nacht oder für den Urlaub, aber für die optimale Einstellung sollte man einen Experten zu Rate ziehen. Ganz wichtig ist der sogenannte hydraulische Abgleich. Der sorgt dafür, dass jeder Heizkörper mit der Wärmemenge versorgt wird, die für den jeweiligen Raum erforderlich ist.

Für die Mitarbeiter heißt das dann, dass sie die Heizung einfach mal 1 °C runterfahren, damit sie beim Energiesparen helfen?

Nicht unbedingt, nicht jedem reicht eine Raumtemperatur von 18° C zum Arbeiten und frieren soll ja keiner. Natürlich spart die Absenkung der Raumtemperatur Energie, aber wenn dann Ersatzmaßnahmen wie das Aufstellen von Heizlüftern getroffen werden, wird es noch teurer. Räume sollten natürlich auch nicht überheizt werden, denn dann wird durch das Öffnen der Fenster gekühlt – auch nicht sinnvoll. Worauf man achten sollte, ist, dass die Fenster nicht in Kippstellung stehen, das kann schnell einen Mehrenergieaufwand von 15 Prozent bedeuten. Richtig ist eine kurze, aber intensive Stoßlüftung mit ganz geöffneten Fenstern mehrmals am Tag und bei heruntergedrehten Thermostatventilen. Besser und bequemer ist allerdings der Einbau eines Lüfters, das recht aufwändige Lüften über die Fenster wird dann überflüssig. Hier kann schon ein relativ einfacher Abluftventilator, richtig ausgelegt und mit effizienter Technik versehen, helfen.

Kann auch eine alte Heizung energieeffizient eingestellt werden?

Ist eine Heizung zu alt, lohnt sich auch die beste Einstellung kaum mehr und man sollte über eine Neuanschaffung nachdenken. Ab wann das der Fall ist, ist natürlich von Modell zu Modell und je nach Nutzung verschieden, grob nach 15 bis 20 Jahren – hier kann eine Beratung für Klarheit sorgen, etwa mittels eines Energie-Checks von energiekonsens. Auf den ersten Blick erscheint eine Neuanschaffung sehr kostenintensiv, aber 20 bis 30 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem alten Modell sind durchaus möglich. Da amortisiert sich die neue Heizung sehr schnell!

Bei neuen Modellen gibt es doch bestimmt Label, die die Energieeffizienz der Anlage angeben…

Das ist richtig, seit September 2015 gibt es diese Label, ähnlich denen am Kühlschrank mit A+, A++ und so weiter. Am besten entscheidet man sich natürlich für die höchste Effizienzklasse, aber nochmal: Auch die effizienteste Heizung braucht eine bedarfsgerechte Einstellung.

Haben Sie ein Beispiel für uns, was durch den Austausch selbst einzelner Teile eingespart werden kann?

Beispiele für Einsparungen gibt es viele, allerdings sind sie nicht immer an einer einzelnen Komponente festzumachen. Bei einem meiner Kunden funktionierten Bauteile wie Ventile, Stellmotoren und verschiedene Regler nicht mehr, bemerkt wurde dies allerdings von ihm nicht, sondern durch Höherdrehen der Heizleistung kompensiert. Erst bei einem Heizungs-Check wurden die defekten Komponenten entdeckt und nachfolgend ausgetauscht. Bereits nach einem Jahr hat sich die Investition von etwa 1.500 Euro amortisiert.
Oft sind die Heizungspumpen echte Energiefresser. Sie laufen mit 80 oder 90 Watt Tag und Nacht, häufig auch im Sommer und verbrauchen so sinnlos Energie, weil man vergessen hat, sie abzuschalten. Viele sind technisch veraltet und überdimensioniert. Durch den Austausch gegen ein kleineres, energieeffizientes Modell mit 3 bis 4 Watt Leistung lassen sich hingegen 70,00 bis 100,00 Euro Stromkosten im Jahr sparen, so dass sich diese Investition in ca. vier Jahren amortisiert.
Grundsätzlich lassen sich durch eine effiziente Regelung mit hydraulischem Abgleich 10 bis 15 Prozent, manchmal 20 Prozent Energie einsparen– wohlgemerkt ohne neue Komponenten und ohne Komforteinbußen, nur durch fachgerechte Einstellung der Altanlage.

Eine Neuanschaffung ist ja nicht unbedingt ein Pappenstiel, gibt es dafür Zuschüsse?

Neben zinsgünstigen Krediten der KfW für den Erwerb energieeffizienter Anlagen gibt es zurzeit diverse Zuschüsse, etwa vom BAFA, der KfW und auch von energiekonsens. Auch die Beratung sowie die gesamte Planung kann man sich fördern lassen. Was genau möglich ist, kann am besten während eines Energie-Checks oder einer „Energieberatung Mittelstand“ erörtert werden.

Vielen Dank für das spannende Gespräch, Herr Schimweg!


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Robert Schimweg

Dipl.-Ing Robert Schimweg,
KMU-Berater von dem
Ingenieurbüro Schimweg

Schon gewusst?
Der größte Teil des betrieblichen Energieverbrauchs entfällt auf die Wärmebereitstellung – sei es für die Raumheizung oder bei Produktionsprozessen. Häufig entstehen durch falsch ausgelegte Heizkessel, schlecht isolierte Werkshallen oder nicht gut aufeinander abgestimmter Betriebsprozesse umfangreiche Energieverluste. Das durchschnittliche Einsparpotenzial liegt bei rund 30 Prozent. Lesen Sie hier erste Tipps und Hinweise, für Ihre energieeffiziente Heizung:

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