„Tag der offenen Tür im Passivhaus“ an der Grundschule Carl-Schurz-Straße
16.11.2017

„Tag der offenen Tür im Passivhaus“ an der Grundschule Carl-Schurz-Straße

Gerade wird in Bonn im Rahmen der UN-Klimakonferenz über mehr Bemühungen zum Thema Klimaschutz debattiert. Am Wochenende konnten Architekten, Planer, Ingenieure, Verwaltung, Politik und die interessierte Öffentlichkeit anschaulich sehen, wie Klimaschutz in der Praxis funktioniert. Im Rahmen der „Tage der offenen Tür im Passivhaus“ öffneten Immobilien Bremen und die gemeinnützige Klimaschutzagentur energiekonsens am Samstag das Passivhaus der Grundschule an der Carl-Schurz-Straße.
  


Da die bisherigen Räumlichkeiten an der Carl-Schurz-Straße aufgrund der neuen Vierzügigkeit der Grundschule zu klein wurden, gab es 2012 die ersten Überlegungen für eine Erweiterung. Entstanden ist ein energieeffizientes Gebäude, das sich durch seine Hybrid-Bauweise – bestehend aus einer Holzfassade und Betonskelett-Bauweise – auszeichnet. Schulleitung, Schülern und Lehrern stehen mit dem Erweiterungsbau nun vier neue Klassenräume zur Verfügung, einer davon wird als Bewegungsraum genutzt. „Wir freuen uns, dass wir nun mehr Platz haben“, sagte Schulleiterin Claudia Neumann, die die Räumlichkeiten mit ihren Klassen bereits bezogen hat. Das Gebäude ist umringt von vielen Bäumen, die bei den Bauarbeiten nicht zu Schaden gekommen sind. „Der herrliche Ausblick aus dem „Baumhaus“ heraus in den „Wald“, ist Natur pur und schafft eine angenehme Atmosphäre“, schwärmte Imkeller-Benjes.

„Das Herzstück ist die Lüftungsanlage“

Bei richtiger Nutzung verbessere sich der Wohnkomfort in einem Passivhaus enorm, betonte Helga Feidt von Immobilien Bremen, die das Passivhaus hochbaulich wie technisch selbst geplant und dann auch baulich umgesetzt haben. Bei einem Rundgang erläuterte Ulrich Imkeller-Benjes die Funktionsweisen und Besonderheiten der neuen Räumlichkeiten. Das Passivhaus in Schwachhausen nutzt die in seinem Inneren vorhandenen Energiequellen wie die Körperwärme der Schüler und Lehrer, die Abwärme der elektrischen Verbraucher sowie einfallende Sonnenwärme. Insbesondere die Dreifachverglasung in den Fenstern und eine Hülle aus hochwirksamer Wärmedämmung sorgen dafür, dass die Wärme im Gebäude bleibt. Lediglich in der kälteren Jahreszeit kommt die Heizungsanlage zum Einsatz, um die gewünschte Temperatur zu Beginn und während des Unterrichts sicherzustellen. Die luftdichte Bauweise des Passivhauses sorgt laut Ulrich Imkeller-Benjes außerdem dafür, dass Zugluft und kalte Wände in Schwachhausen der Vergangenheit angehören. „Ein Passivhaus kann auch nicht schimmeln“, da sämtliche Oberflächentemperaturen der Bauteile weit über der „Schimmelgrenze“ liegen, erläuterte der Experte. Um mögliche undichte Fugen zu ermitteln, wurde während der Bauphase und vor der Fertigstellung des Gebäudes eine Luftdichtheitsprüfung – ein sogenannter Blower Door-Test – gemacht.

Die hohe Energieeinsparung von Passivhäusern ergibt sich nicht nur durch die besonders energieeffiziente Bauweise, sondern auch durch die Lüftungstechnik. „Das Herzstück des Gebäudes ist die Lüftungsanlage“, sagte Imkeller-Benjes. Diese sorgt während des Unterrichts immer für ausreichend frische Luft. Durch eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung und sehr stromsparende Ventilatoren können mit 1 kWh Strom bis zu 10 kWh Heizwärme eingespart werden. „Mit einer unkomfortablen, unbehaglichen Fensterlüftung kann eine solche Luftqualität nie erreicht werden“, betonte Imkeller-Benjes. Die Lüftungsanlage misst auch den CO2-Gehalt im Klassenraum und steuert den notwendigen Luftaustausch. Im Sommer ist die Lüftungsanlage nicht in Betrieb. In diesem Zeitraum erfolgt die Frischluftversorgung über die Fenster. Eine weitere Besonderheit des Schwachhauser Passivhauses ist die mit 1,8 W/m2 überaus effiziente tageslichtgesteuerte LED-Beleuchtung, die sich der benötigten Lichtintensität anpasst. „Dieser Schulbau zeigt, dass Passivhäuser durch ihre vielseitigen Einsparmöglichkeiten vor allem für öffentliche Einrichtungen großes Potenzial bieten“, resümierte Enno Nottelmann von energiekonsens.