‚Cool bleiben‘ mit energieeffizienter Kältetechnik

Kennen Sie Ihre Energieverbraucher?

Ob das Büro, das im Sommer für alle Mitarbeiter angenehm kühl sein soll, oder der Serverraum, der sich nicht zu stark erwärmen darf: Kälte spielt gerade für Unternehmen eine große Rolle. Schon kleine Tricks können helfen, die Kälte möglichst lange dort zu halten, wo sie sein sollte – das sorgt nicht nur für einen kühlen Kopf, sondern auch für ein volles Portemonnaie. Mit dem Thema Kälte setzt sich auch Stephan Goedeke fast täglich auseinander: Er ist Diplomingenieur für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik, betreibt ein eigenes Ingenieurbüro für Energieberatung in Ganderkesee und ist Mitglied in unserem KMU-Beraternetzwerk. Der staatlich geprüfte unabhängige Unternehmens-Energieberater kommt ursprünglich aus dem Gewerbe Gas- und Wasserinstallation sowie Heizungsbau und bringt daher eine Menge praktischer Erfahrung mit, die er auch als Sachverständiger für die BAFA einbringen kann.

Herr Goedeke, wenn man vom Thema Kälte spricht – was ist damit genau gemeint?

In kleinen und mittelständischen Unternehmen mit unter 10.000 € Energiekosten findet man zum Beispiel Klima-Split-Geräte, die in Räumen die Luft kühlen, oder auch Kühlschränke sowie Kühlgeräte in kleineren Supermärkten. Derweil sind in großen Unternehmen eher umfangreiche Kälteanlagen vorhanden, beispielsweise für industrielle Prozesse. Energieeinsparpotenziale findet man dabei in fast allen Betrieben.

Wo verstecken sich denn diese Energieeinsparpotenziale, haben Sie da Tipps für uns?

Die erwähnten Klima-Split-Geräte selbst kann man leider nicht so gut optimieren, hier kommt es mehr darauf an, was drumherum passiert. Dabei handelt es sich dann oft um gering- oder nicht-investive Maßnahmen: So sollten Türen und Tore möglichst geschlossen bleiben und wer Rollläden besitzt sollte diese bei Sonneneinstrahlung auch nutzen. Sind Kälte führende Anlagenteile oder Rohrleitungen in Betrieb, sollte die Wärmedämmung gelegentlich überprüft werden. Allgemein ist eine regelmäßige Wartung von Kälteanlagen und Reinigen der Verflüssiger sinnvoll, um die Effizienz zu erhalten. Bei größeren Anlagen kommt es auf ein gutes, energieeffizientes Konzept an, welches optimal dimensioniert sein sollte und idealerweise vom Profi erstellt wird.

Wie hoch ist denn in etwa die Ersparnis, die durch energieeffiziente Kältetechnik erzielt werden kann?

Nun, das hängt natürlich ganz von der Art der Kälteanlage, dem Anlagenalter, Nutzungszeiten und der Möglichkeit der Abwärmenutzung ab - das ist in jedem Unternehmen sehr unterschiedlich. Da würde ich empfehlen, beispielsweise im Rahmen eines Energie-Checks von energiekonsens hinter die Kulissen schauen zu lassen, um genaue Werte zu erhalten.

Während dieser Checks haben Sie wahrscheinlich auch schon viele spannende Dinge erlebt…

Natürlich! Und es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Am erfreulichsten ist es immer, Unternehmen bei einem ohnehin geplanten oder notwendigen Austausch von Kälteanlagen oder Teilen davon zu überzeugen, in energieeffizientere Technik als ursprünglich geplant zu investieren. Schon nach kurzer Betriebszeit wird diese nämlich durch die Stromeinsparung wirtschaftlich sinnvoll. Wenn dann beispielsweise in einem Hotel auch noch die Abwärme genutzt wird, kann ein großer Teil der Energie sinnvoll verwendet werden.
Man muss natürlich immer schauen, welche Maßnahmen für den jeweiligen Betrieb zielführend sind – nur, weil eine Lösung bei Bäcker A funktioniert, muss es bei Bäcker B noch lange nicht der Fall sein. Jedes Unternehmen benötigt für seine Anforderungen, Abläufe und technischen Gegebenheiten individuelle Lösungen.


Das klingt in der Tat abwechslungsreich! Nun nochmal kurz zum Thema Kälte – was sollte man bei der Anschaffung neuer Anlagen beachten?

Wie bei allen Anschaffungen ist das billigste Angebot eher selten das auf Dauer günstigste. Bei Anlagen zur Kälteerzeugung machen die Anschaffungskosten über die Lebensdauer nur ca. 10-20 Prozent aus, der Rest von 80-90 Prozent wird im Wesentlichen für die Stromkosten benötigt. Dass die zwar teurere Technik langfristige Vorteile und insbesondere ein hohes Einsparpotenzial mitbringt, überrascht viele Kunden im positiven Sinne immer noch.
Mein Tipp ist darüber hinaus, dass unbedingt geprüft werden sollte, ob die stets anfallende Abwärme nicht im Unternehmen genutzt werden kann – zum Beispiel zur Erwärmung von Trinkwarmwasser oder in der Produktion. Eine Nutzung der anfallenden Abwärme der Kälteanlagen kann auch oft im Bestand nachgerüstete werden.

Gibt es konkrete Fördermöglichkeiten für die energieoptimierende Sanierung oder gar die Neuanschaffung von energieeffizienter Kältetechnik?

Ja, wie in fast allen Bereichen der Energieeffizienz gibt es auch im Bereich Kälte in verschiedenen Förderprogrammen Zuschüsse bis 25 Prozent sowie zinsvergünstigte Kredite. Zudem würde ich immer empfehlen, eine fachkundige Beratung in Anspruch zu nehmen, etwa den Energie-Check für KMU von energiekonsens oder eine Energieberatung Mittelstand. Während der Beratung kann der Experte gut einschätzen, welche Fördermittel in Frage kommen.

Zum Schluss wüssten wir gerne noch, ob einer Ihrer Kunden, der seine Kältetechnik hat überprüfen lassen, mal ein ganz besonderes Aha-Erlebnis hatte.

Da ist zum Beispiel ein Unternehmen, das diverse Kunststoffspritzgussmaschinen betreibt, die früher über eine Kältemaschine gekühlt wurden. Beim durch einen Defekt notwendigen Austausch wurde dann für die Werkzeugkühlung eine deutlich kleinere Kältemaschine installiert. Da für die Teilekühlung allerdings keine solch tiefen Temperaturen benötigt werden, wurde ein zweiter Kühlkreis installiert und die nun weniger intensive Kühlung kann heute ganzjährig über einen Kühlturm mit „freier Kühlung“ ohne Kältemaschine erfolgen – Amortisationszeit der Mehrinvestitionen etwa zwei bis drei Jahre. Ach so: „Freie Kühlung“ bedeutet, dass man die Kälte aus der Umgebung nutzt und nicht die durch eine Kältemaschine erzeugte. Das kann dann die Umgebungsluft sein oder das kalte Wasser eines Flusses. Eine interessante Methode!

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Goedeke!


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