Elektrische Antriebe

Versteckte Stromfresser: Elektrische Antriebe

Wenn wir sie nicht hätten, wären wir wahrscheinlich aufgeschmissen: Die Rede ist von elektrischen Antrieben. Die kleinen bis großen Motoren sorgen dafür, dass Produkte kühl bleiben, Mitarbeiter im Büro nicht frieren müssen und noch für so vieles mehr. Das Problem: Obwohl oft und überall im Einsatz, arbeiten viele von ihnen noch immer nicht energieeffizient. Eine Baustelle, die Dr. Michael Kruse nur allzu gut kennt, denn er ist Mitglied in unserem Beraternetzwerk und führt unter anderem Energie-Checks für uns durch. Der Physiker hat an der Universität Bremen in thermischer Verfahrenstechnik promoviert und bereits 1997 in Bremen die Gesellschaft für produktionsintegrierte Umweltsystemtechnologien und -management mbH gegründet – kurz prosys°.

Herr Dr. Kruse, was sind die typischen elektrischen Antriebe beziehungsweise Anlagen, die Sie im Rahmen von Energie-Checks überprüfen?

Das lässt sich so gar nicht sagen, da elektrische Antriebe so gut wie überall zum Einsatz kommen. Das können zum Beispiel die Knetmaschinen in einer Bäckerei sein oder die Konfektionierungsmaschinen in der Industrie. Ich behaupte, dass sogar jede Verwaltung über Geräte mit elektrischem Antrieb verfügt, denken Sie nur an den Kompressor im Kühlschrank oder die Heizungspumpe - all diese Systeme werden von Motoren angetrieben! Allerdings werden wir eher selten gerufen, um einen elektrischen Antrieb auf Energieeffizienz hin zu überprüfen, da dieser ja in der Regel nicht sichtbar ist. Wir Energieberater müssen schon genau hin schauen, um die versteckten Stromfresser zu entlarven.

Sind denn viele elektrische Antriebe große Verbraucher?

Leider ja. Hersteller unterliegen dem Wettbewerbsdruck und möchten ihre Produkte in den meisten Fällen so günstig wie möglich auf dem Markt anbieten. Natürlich werden dann Motoren verbaut, die nicht energieeffizient sind, da so die Kosten geringer gehalten werden können. Die für den Konsumenten anfallenden hohen Energiekosten werden hier nicht berücksichtigt. Problematisch ist zudem, dass die elektrischen Antriebe überwiegend fest verbaut sind und nicht ohne weiteres ausgetauscht werden können.

Das heißt, dass einzig die Neuanschaffung von energieeffizienten Geräten und Maschinen die Lösung ist?

Das ist richtig. Im ersten Moment ist das natürlich kostspielig, aber wenn man bedenkt, dass die Geräte durchschnittlich etwa zehn bis 15 Jahre laufen, machen die Anschaffungskosten lediglich 20 Prozent der Gesamtkosten aus, etwa 80 Prozent müssen nämlich im Anschluss für die Stromkosten investiert werden. Auf lange Sicht lohnt sich die Investition in neue Geräte daher allemal. Übrigens beträgt der Anteil von elektrischen Antrieben am gesamten Energieverbrauch der Branche Handel und Dienstleistung in Deutschland ganze 20 Prozent!

Woran erkennt man denn, dass ein Gerät oder eine Maschine einen energieeffizienten Antrieb hat?

Im industriellen Bereich gibt es Energielabel für Elektromotoren, diese reichen von der Effizienzklasse IE1 bis IE3, wobei IE3 das Beste ist. IE steht dabei für International Efficiency. Zwar sind Motoren mit der Klasse IE3 in der Anschaffung um etwa 30 Prozent kostenintensiver als die der Klasse IE1, dafür verbrauchen sie aber auch 40 Prozent weniger Strom. Vor allem bei Produktionsbetrieben kann die Amortisationszeit dadurch gut und gerne nur ein bis zwei Jahr betragen. Bei anderen Geräten, zum Beispiel Heizungspumpen, ist die Energieeffizienz speziell des elektrischen Antriebes zumeist nicht auf den ersten Blick feststellbar. Hier lohnt es sich, einen Experten zu Rate zu ziehen, beispielsweise aus dem Beraternetzwerk von energiekonsens – dieser kann quasi hinter die Kulissen schauen.

Sollte man jetzt also alle Maschinen mit nicht energieeffizienten Motoren austauschen?

Oh nein, das wäre nun auch wieder unwirtschaftlich. Wann ein Austausch rentabel ist, kann auch im Rahmen eines Energie-Checks für KMU von energiekonsens oder einer Energieberatung Mittelstand festgestellt werden. In sehr seltenen Fällen kann ein Motor auch aufgerüstet werden, das macht dann aber aus wirtschaftlicher Sicht wiederum nur Sinn, wenn zum Beispiel eh eine größere Reparatur ansteht.

Erinnern Sie sich an einen konkreten Fall, in welchem Sie einem Kunden ordentlich beim Sparen helfen konnten?

Ja, sicher! Einmal ging es um die Beratung in einem Unternehmen, das große Druckluftkompressoren im Einsatz hat und von denen einige einen Defekt aufwiesen. Während der Beratung konnten wir feststellen, dass die Kompressoren, die alle mit 8 Bar liefen, lediglich 6 Bar benötigten. Also wurden Geräte angeschlossen, die energieeffizient arbeiten und nur 6 Bar brauchen – und schon hatte der Kunde 20 Prozent Ersparnis.

Das ist eine Menge! Gibt es denn auch Fördermaßnahmen, wenn man jetzt in energieeffiziente Antriebe investieren möchte?

Na, da wäre zum Beispiel das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA, das Fördergelder im Bereich Querschnittstechnologien vergibt. Und auch energiekonsens bietet verschiedene Fördermöglichkeiten.

Vielen Dank für das informative Gespräch, Herr Dr. Kruse!


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Dr. Michael Kruse

Dr. Michael Kruse, KMU-Berater von der prosys° GmbH

Schon gewusst?
Etwa 70 Prozent des Stromverbrauchs in der Industrie entfallen auf Elektromotoren. Häufig haben alte
elektrisch angetriebene Systeme in wirtschaftliches Stromeinsparpotenzial von 20 bis 30 Prozent und mehr.
Elektrische Antriebe sind die zentralen Antriebseinheiten in vielen technischen Prozessen in produzierenden Unternehmen.

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