Den Stromfressern in GEWOBA Haushalten auf der Spur
23.03.2016

Den Stromfressern in GEWOBA Haushalten auf der Spur

Interview mit dem Energiespar-Berater Wolfgang Virnich

Seit fünf Jahren besucht Wolfgang Virnich regelmäßig GEWOBA-Haushalte
und informiert Mieter, wie und wo sie Strom und Wasser sparen können. Beim kostenlosen EnergieSparCheck zeigt der „Stadtindianer“ mit dem Zopf genau, wie das geht. Und das lohnt sich immer – für den Geldbeutel und die Umwelt.
  

Quelle: GEWOBA Magazin - Frühlingsausgabe


Herr Virnich, welche Ausbildung haben Sie als Energiespar-Berater?

VIRNICH: Gemeinsam mit Kollegen bin ich fachlich geschult worden. Dann absolvierten wir die Prüfung zum „Serviceberater für Energie- und Wasserspartechnik“. Zudem habe ich jahrzehntelange Erfahrungen aus der Baubranche und bin begeisterter Tüftler.

Warum melden sich Mieter beim Energie-SparCheck an?

VIRNICH: Viele möchten ihren Energieverbrauch besser verstehen, zur eigenen Kontrolle. Und man denkt an den Klimaschutz. Vor allem aber soll bares Geld gespart werden. Manche glauben mir zuerst gar nicht, dass die Beratung tatsächlich kostenlos ist!

Was müssen Mieter für einen kostenlosen EnergieSparCheck tun? Was muss vorbereitet und wie viel Zeit eingeplant werden?

VIRNICH: Die Interessenten rufen uns einfach an und wir vereinbaren einen Termin. Der erste Besuch dient der Bestandsaufnahme in der Wohnung und dauert etwa eine Stunde. Wir schauen uns alle technischen Geräte sowie die Rechnung des Energieversorgers genau an, nehmen Daten von Elektrogeräten, Glühlampen und vom Wasserdurchlauf auf. Oft geben wir schon gleich Tipps, wenn uns etwas auffällt. Danach schreiben wir ein Protokoll und rechnen aus, wo es Einsparmöglichkeiten gibt. Bei einem kürzeren zweiten Besuch erklären wir die Ergebnisse und installieren je nach Bedarf Hilfsmittel wie Steckerleisten, LED-Leuchten, Wasserspar-Perlatoren oder -Duschköpfe. Die spendiert übrigens die GEWOBA.

Wie viele EnergieSparChecks haben Sie insgesamt schon durchgeführt?

VIRNICH: In Bremen haben wir bereits fast 2.000 Haushalte besucht. Leider waren darunter erstaunlich wenige Familien. Dabei ist deren Einsparpotenzial oft sehr hoch.

Was erleben Sie bei Ihren Besuchen?

VIRNICH: Wir erleben gute Gespräche und Dankbarkeit für nützliche Hinweise und
„ungeahnte“ Spar-Chancen. Andererseits war ich doch überrascht, wenn in Wohnräumen beheizte Salzwasser-Aquarien oder Hobby-Musikanlagen mit großen Lichtorgeln enorm viel Strom verbrauchten.

Welche Ihrer Tipps sorgen regelmäßig für Erstaunen?

VIRNICH: Der hohe Strombedarf von Kühlgeräten älterer Baujahre, und dass man die ideale Kühltemperatur von vier bis sieben Grad mit einem Thermometer kontrolliert. Oder das „Schein-Aus“ von Elektrogeräten, nicht nur im Standby. Vor allem einige ältere Geräte verbrauchen auch nach dem Ausschalten weiter Strom. Das können wir messen.

Was sind die hartnäckigsten Energiefresser im Haushalt?

VIRNICH: Neben Kühlgeräten sind das häufig Deckenfluter mit 300-Watt-Lampen.
Leuchten diese täglich drei Stunden, kostet das rund 90 Euro im Jahr! Die Lampen gibt es heutzutage auch mit LED-Technik, sie verbrauchen lediglich 28 Watt für nur 9 Euro jährlich. Und die riesigen Plasma-Bildschirme bei Fernsehern können bis zu 400 Watt verbrauchen. Wenn diese im Alltag stundenlang laufen, sind das unglaubliche 800 Kilowattstunden im Jahr – rund 200 Euro!

Wozu können Sie jedem Verbraucher grundsätzlich raten?

VIRNICH: Es geht darum, über sein Verhalten nachzudenken. Energie sollte jeder sinnvoll nutzen, nicht verschwenden. Ein Raumthermometer hilft, auf sparsames Heizen zu achten. Beim Duschen muss das Wasser nicht ständig laufen, beim Zähneputzen schon gar nicht. Benötigt man den alten Gefrierschrank im Keller noch? Bei neuen Geräten sollte man auf die Effizienzklasse A++ achten: Die kosten
vielleicht etwas mehr, aber das amortisiert sich relativ schnell über den Stromspar-Effekt.

Wie viel kann ein Haushalt durch den EnergieSparCheck tatsächlich einsparen?

VIRNICH: Die Spannbreite ist groß. Durch Optimierungen für Strom, Wasser und Wärme kann der Energieverbrauch durchschnittlich um 240 Kilowattstunden und bis zu 1.300 Kilowattstunden jährlich gesenkt werden und damit sind Einsparungen von 70 bis 130 Euro im Jahr möglich.

Mehr Infos zu dem Projekt gibt es hier.