Unterschätzte Energieverbraucher: Druckluftanlagen

Druckluft kommt in vielen Branchen zum Einsatz, vom Handwerk über den Dienstleistungssektor bis hin zur Industrie. Sie gilt als eine der teuersten Energieformen – das liegt zum einen daran, dass ihre Erzeugung relativ kostspielig ist, zum anderen an der Tatsache, dass Druckluftanlagen selten auf Energieeffizienz hin überprüft werden. Hohe Energieverluste bleiben so oftmals unbemerkt. Susanne Korhammer ist Geschäftsführerin des TARA Ingenieurbüros NordWest in Varel und hat bereits zahlreiche dieser versteckten Energiefresser entlarvt: Seit 1995 beraten sie und ihr Team Unternehmen im Bereich Energieeffizienz. Die Versorgungstechnik-Ingenieurin und gelernte Maschinenbauerin ist Mitglied in unserem Beraternetzwerk.

Frau Korhammer, im Rahmen Ihrer Tätigkeit kommen Sie sicherlich viel rum, was ist das Spannendste an Ihrem Job?

Es gibt immer neue technische Detaillösungen in Unternehmen aufzunehmen, das ist spannend. Allein deswegen, weil sich die Betriebe, die ich besuche, so sehr voneinander unterscheiden: Den einen Tag bin ich in einem Krankenhaus unterwegs, den anderen in einem Industrieunternehmen und dann wieder in einem Verwaltungsbetrieb. Selbst Unternehmen gleicher Branche können aufgrund ihrer Historie sehr unterschiedlich sein.

Und währenddessen stoßen Sie immer wieder auf das Thema Druckluft – wo kommt diese denn überall zum Einsatz?

Nun, die Einsatzgebiete sind vielfältig. Viele Betriebe sind auf Druckluft angewiesen. Da wäre zum Beispiel Druckluft zur Reinigung von Geräten oder Druckluft, die als Antriebsenergie in verarbeitenden Betrieben eingesetzt wird. Sie findet darüber hinaus auch Anwendung in der Lebensmittelbranche oder in medizinischen Bereichen.

Warum ist der Einsatz von Druckluft so energieintensiv?

Vor allem liegt das daran, dass in vielen Betrieben die Energieeffizienz der Druckluftanlagen - von der Erzeugung bis zum Druckluftnutzer - nur selten überprüft wird. Dabei kann in einer Anlage unglaublich viel Energie verloren gehen. Die Drucklufterzeuger werden in der Regel turnusmäßig gewartet. Dieses vermittelt häufig den Eindruck, dass es im Bereich Druckluft keinen weiteren Handlungsbedarf gibt. In einigen Betrieben fehlt vielleicht auch die konkrete Zuweisung eines Verantwortlichen.
Typisch sind Energieverluste im Bereich der Druckluftverteilung, hier befinden sich im Bereich der Druckluftleitungen, an Übergängen oder Armaturen Leckagen, aus denen Druckluft ungenutzt entweicht. Auch erzeugen z.B. ungeregelte Druckluftkompressoren hohe Stromkosten, da sie auch im Leerlauf noch 35 Prozent Stromverbrauch aufweisen.

Was würden Sie konkret empfehlen, um dem Energieverlust entgegenzuwirken?

Zunächst ist es wichtig, die Verteilung regelmäßig auf Leckagen zu überprüfen. Diese Überprüfung ist schon in die Lehrlingsausbildung einzubinden und im Rahmen von regelmäßigen Rundgängen sind Leckagen durch einfaches Hören aufzunehmen. In Betrieben mit hohem Geräuschpegel können spezielle Ultraschallgeräte zur Leckageortung eingesetzt werden. Neben dieser gering-investiven Maßnahme empfehle ich in der Regel außerdem, einen ungeregelten gegen einen geregelten Druckluftkompressor zu ersetzen. Dieser sorgt dafür, dass im Leerlauf keine Druckluft verschwendet wird, da durch die Abriegelung nur so viel Druckluft erzeugt wird, wie notwendig ist, um den geforderten Netzdruck zu halten.
Die Amortisationszeit bei einer Nachrüstung liegt bei etwa zwei bis vier Jahren – das lohnt sich, da Druckluftanlagen durchschnittlich 15 Jahre lang in Betrieb sind.
Noch ein Tipp: Wer mit Druckluft arbeitet, sollte überprüfen, ob die Intensität der Druckluft wirklich so hoch sein muss. Also ob vielleicht gerade 10 bar Druckluft bereitgestellt werden, in Wirklichkeit aber nur 9 bar benötigt werden. Das kommt gar nicht so selten vor, dass es jemand „zu gut“ meint! Dabei können durch je 1 bar weniger Druck immerhin je 6 Prozent Energiekosten eingespart werden.

Das ist aber eine Menge! Das lohnt sich ja wirklich für Unternehmen…

Auf jeden Fall! Wer seine Anlage genauer dahingehend überprüfen lassen möchte, kann dies beispielsweise mittels eines Energie-Checks von energiekonsens tun. Eine Energieberatung Mittelstand wird zu 80% vom BAFA gefördert wird. Noch findet das Thema Druckluft nicht genügend Beachtung, aber ich stelle fest, dass viele KMU ein hohes Interesse an der Einsparung von Energiekosten zeigen. Wenn wir dann im Hause sind, nehmen wir uns gerne die Druckluftanlage vor und können dem Kunden in vielen Fällen ein enormes Einsparpotenzial aufzeigen.

Planen Sie die Anschaffung neuer Anlagen denn auch und wird diese Investition gefördert?

Unser Ingenieurbüro übernimmt die Grundlagenermittlung, erstellt Einsparkonzepte und bewertet diese wirtschaftlich.
Wer als Unternehmen nach einer Energieberatung oder einem Energie-Check Bedarf hat, kann sich ein Umsetzungs-Coaching von energiekonsens fördern lassen. Dieses beinhaltet bis zu fünf Beraterstunden, von welchen 80 Prozent und bis maximal 320 Euro gefördert werden. Weitere Fördermaßnahmen gibt es auch vom BAFA im Rahmen der Bezuschussung von Querschnittstechnologien. Welche Maßnahme in Frage kommt, kann ein Berater zum Beispiel durch einen Energie-Check im Unternehmen feststellen.

Haben Sie zum Schluss noch einen weiteren Energiespar-Tipp für uns, bezogen auf Druckluftanlagen?

Den hätte ich! Ich weise immer darauf hin, dass ein Druckluftkompressor sowohl Druckluft als auch Wärme erzeugt. Je eingesetzter kWh Strom erzeugt der Kompressor 0,75 kWh Wärme bei einer Temperatur von bis zu 60°C. Durch den Einbau eines Wärmetauschers kann diese Wärme für die Aufbereitung von Warmwasser oder zur Beheizung von Räumen eingesetzt werden. Mein anschaulichstes Beispiel ist hier ein Industriebetrieb, bei dem nach unserer Konzeption der gesamte Verwaltungstrakt mit Wärme und Warmwasser über die Wärmerückgewinnung der Druckluft versorgt wird, sprich die Wärmerückgewinnung Druckluft ersetzt die Heizungsanlage!

Vielen Dank für das spannende Gespräch, Frau Korhammer!


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Dipl.-Ing Susanne Korhammer

Dipl.-Ing Susanne Korhammer,
KMU-Beraterin von dem
Ingenieurbüro TARA

Schon gewusst?
Druckluft wird in fast jedem produzierenden Unternehmen verwendet. Die Herstellung von Druckluft ist energieintensiv und damit kostspielig. Ein besonders hoher Druckluftverbrauch findet sich in den Bereichen Druckluftwerkzeuge und -motoren (Schrauber, Schleifer, Bohrer), Verpackungsmaschinen, Spritzgussmaschinen, Textilmaschinen, pneumatische Förderanlagen, Zerstäuber und Düsen (Reinigung Lackierung, Befeuchtung etc.). Die Kosten von Druckluft können bei effizientem Einsatz häufig um 50 Prozent gesenkt werden.

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