Stromverbrauch optimieren mit Raumlufttechnik (RLT)

Stufenlos Strom sparen mit Raumlufttechnik

Eine gute Umgebungsluft – die ist nicht nur wichtig für Menschen, die viel Zeit arbeitend im Büro verbringen. Auch in bestimmten Handwerksbetrieben oder in Räumen mit viel Publikumsverkehr ist eine raumlufttechnische Anlage, kurz RLT, sinnvoll. Allerdings gilt es hier einiges zu beachten, damit die Belüftung nicht zum teuren Stromfresser wird. Diplom-Ingenieur Ulrich Römer ist seit 1992 Geschäftsführer der Ingenieur- und Beratungsgesellschaft für Organisation und Technik mbH (ibek) in Bremen und weiß genau, worauf beim Betrieb einer RLT zu achten ist und wann sich eine Neuanschaffung lohnt. Nicht umsonst hat er sein Diplom der Fachrichtung Energie- und Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Berlin mit den Schwerpunkten Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie Kraft-Wärmekopplung (KWK)/Fernwärme gemacht – heute ist er Mitglied im KMU-Beraternetzwerk und führt unter anderem für uns Energie-Checks in Unternehmen durch.

Herr Römer, raumlufttechnische Anlage hört sich zunächst etwas sperrig an, wovon reden wir hier eigentlich genau?

In kleinen und mittelständischen Unternehmen sind das die Anlagen zur Belüftung der Räume, mittels derer frische Luft zugeführt und verbrauchte abgeführt wird. So zum Beispiel in Büros, sagen wir mal in der Verwaltung, wo sich die Menschen viel drinnen aufhalten oder in Verkaufsräumen mit viel Kundenverkehr. Das kann aber auch einen Handwerksbetrieb mit einschließen, in welchem eventuell mit Schadstoffen wie Lösungsmitteln gearbeitet wird – mir fällt da spontan der Schuster ein. Durch die Anlagen werden übrigens nicht nur Gerüche abgeführt, sondern auch das durch Menschen ausgeatmete CO2 oder gar entstandene Feuchtigkeit.

Und wie lässt sich eine Lüftungsanlage stromsparend betreiben?

Unser Hauptansatzpunkt ist die bedarfsgerechte Lüftung. Die meisten modernen Anlagen verfügen über eine stufenlose Regelung, die sich automatisch auf den jeweiligen Bedarf einstellt und eigenständig zum Beispiel den CO2-Gehalt in der Luft misst. Wirklich teuer wird es, wenn die Lüftungsanlage noch über Stufen reguliert wird, meistens sind es zwei an der Zahl. Oftmals laufen diese natürlich auf der höchsten Stufe – dabei wird, wenn man eine Stufe runterschaltet, nur die Hälfte an Volumenstrom verbraucht, das reduziert den Gesamtverbrauch der Anlage auf ein Achtel! Es ist schon dramatisch, was sich so einsparen lässt.

Kann man denn einfach selbst Hand anlegen und die Lüftung einstellen?

Das würde ich lieber dem Profi überlassen, also beispielsweise einem auf Lüftungstechnik spezialisierten Installateur. Der kann im Übrigen auch eine stufenlose Regelung nachrüsten.

Wenn der Bedarf soweit festgestellt wurde - wie lässt sich außerdem Strom sparen?

Da wären zum Beispiel die Ventilatoren, deren Austausch man im Zweifel sogar selbst vornehmen könnte. Heute gibt es tatsächlich aerodynamische, der Vogelschwinge nachempfundene und damit besonders effiziente Modelle. Eine weitere Möglichkeit ist der Austausch des alten Motors gegen einen supereffizienten Antriebsmotor – dieser treibt die Lüftung heutzutage direkt an, ohne Keilriemen, wie es früher der Fall war. Wichtig ist übrigens auch die regelmäßige Wartung der Filter: Diese verstopfen mit der Zeit durch Pollen oder andere Partikel in der Luft und verbrauchen dadurch sehr viel Energie. Diese nicht-investive Maßnahme kann auch jeder problemlos selber durchführen.

Wow, das ist ja eine ganze Menge….

Das stimmt, da gibt es eine wahnsinnige Spannweite, wenn man im Bereich der Raumlufttechnik Energie einsparen möchte. Ein weiteres Problem ist, dass manch eine Anlage nicht dicht ist und die saubere, teure Luft teilweise gar nicht am Bestimmungsort ankommt. Manchmal allerdings hilft auch keine Ausbesserung mehr – da muss dann eine ganz neue Lüftungsanlage her. Was genau machbar ist kann ein Energieberater im Rahmen unseres Energie-Checks für Unternehmen mit bis 10.000 Euro Stromkosten jährlich aber gut feststellen.

Wie hoch ist denn etwa das Einsparpotenzial?

Das lässt sich so leider nicht pauschalisieren, da das natürlich von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich ist. Grob würde ich sagen, dass mehr als 50 Prozent der durch Lüftungsanlagen verursachten Kosten eingespart werden können – so diese denn vernünftig eingestellt und gewartet werden. Manchmal erreiche ich sogar 100 Prozent! Aber durch Stilllegung, zugegeben. (lacht) Das betrifft zum Beispiel die vielen Kneipen oder Gaststätten, in denen früher geraucht wurde - dort ist eine Belüftung oftmals nicht mehr nötig und es genügt, das Fenster einfach ein wenig öfter aufzumachen.

Das ist sicherlich eine Überraschung für die meisten!

Das stimmt, manche möchten dann auch gar nicht hören, dass sie sich die Belüftung all die Jahre hätten sparen können. Besonders viel Spaß macht mein Job natürlich, wenn sich die Kunden anschließend bedanken, weil meine Tipps funktioniert haben. So hatte ich beispielsweise mal ein Hotel, allerdings nicht aus dem KMU-Bereich, deren Stromverbrauch der RLT um die Hälfte gesenkt werden konnte – das waren jährlich immerhin rund 50.000 Euro. Für etwa den doppelten Betrag haben sie sich eine komplett neue Anlage zugelegt, aber das rechnet sich dann ja schon nach zwei Jahren.

Möchten Sie uns zum Schluss vielleicht noch einen weiteren Tipp mit auf den Weg geben?

Nun, das Thema Wärmerückgewinnung ist noch ein spannendes Thema. Wenn man sich eine neue Lüftungsanlage anschafft, sollte man unbedingt darauf achten, dass das System über einen hohen Wärmerückgewinnungsgrad verfügt: Dieser kann bis zu 90 Prozent betragen. Zugeführte kalte Frischluft nimmt die Wärme aus der Abluft auf und so wird die Heizungsanlage entlastet.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Römer!


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Herr Römer im Fachgespräch

Herr Römer (rechts) im Fachgespräch.

Schon gewusst?
Lüftungs- und Klimaanlagen sorgen für die kontrollierte Frischluftzufuhr und regulieren die Raumtemperatur. Raumlufttechnische Anlagen verbrauchen durch lange Benutzungszeiten und leistungsstarke Komponenten zu einem hohen Gesamtenergieverbrauch.
In Deutschland beträgt der industriellen Stromverbrauch für den Betrieb von Ventilatoren rund 15 Prozent. Gleichzeitig wird das Energieeinsparpotenzial eines Ventilatorsystems in der Industrie auf über 20 Prozent beziffert.

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