Pumpen und Stromeffizienz in Unternehmen

Pumpen - die heimlichen Energiefresser

Energiesparen bedeutet auch, die Stromverbraucher zu entlarven, die erst beim zweiten Hinschauen ersichtlich werden. Dazu gehören insbesondere Pumpen, denn nicht selten arbeiten sie unbemerkt beispielsweise in der Heizung, in der Warmwasser-Zirkulation oder auch in Lüftungs- und Kälteanlagen.

Unsere Berater für kleine und mittelständische Unternehmen achten während der Energie-Checks daher ganz genau auf die richtige Einstellung der unsichtbaren Energiefresser – so wie auch Ulrich Imkeller-Benjes. Seit 2009 arbeitet er bei der BEKS EnergieEffizienz GmbH, zuvor hat er nach einem Physikstudium in Darmstadt und einem berufsbegleitenden Aufbaustudium Energie und Umwelt viele Jahre im Energiebereich gearbeitet. Der Ingenieur führt für uns Energie-Checks in Unternehmen durch.

Herr Imkeller-Benjes, was macht Ihren Job bei der BEKS EnergieEffizienz GmbH so besonders?

Für mich ist es die Abwechslung. Ich bin viel unterwegs und kein Tag ist wie der andere – man entdeckt ständig neue Energiefresser und sucht immer nach noch besseren Lösungen, um diese dem Kunden vorzuschlage. Außerdem kann man einen Blick hinter die Kulissen spannender Unternehmen werfen.

Und dabei treffen Sie auch immer wieder auf Pumpen – welchen Anteil haben diese denn am Gesamtverbrauch eines Betriebes?

Umwälzpumpen zählen zu den größten Verbrauchern im Unternehmen, da sie wahre Dauerläufer sind, beispielsweise für die Wärme- und Kälteversorgung. In vielen KMU findet man bis zu zehn (und mehr) Pumpen – das ist eine ordentliche Menge. Manch ein Exemplar ist auch einfach viel zu groß dimensioniert für den tatsächlichen Bedarf. Je nach Branche kann es allerdings auch sein, dass Beleuchtung oder IT noch mehr Strom verbrauchen, eine pauschale Aussage lässt sich daher schlecht treffen.

Wie lässt sich denn trotz des Einsatzes vieler Pumpen Energie sparen?

Nun, ein Problem ist, dass viele Pumpen auch dann in Betrieb sind, wenn sie gar nicht gebraucht werden. So laufen viele auch im Sommer weiter, obwohl man sie in dieser Jahreszeit getrost abschalten könnte. Auch ältere Pumpen kann man energiesparend betreiben, indem man ihre Betriebszeit an die aktuelle Nutzung anpasst.
Viele ältere Modelle verfügen über bis zu vier Stufen und laufen immer auf Hochtouren, auch das ist einstellbar. Im Frühjahr darf es ruhig eine Stufe weniger sein! Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen hydraulischen Abgleich vom Heizungsfachmann durchführen lassen, im Rahmen dessen das Gesamtsystem optimiert wird. Jedes einzelne Thermostatventil beispielsweise wird in diesem Fall individuell und ganz nach Bedarf auf den erforderlichen Volumenstrom eingestellt.

Oder man kauft sich gleich neue Hocheffizienzpumpen…

Da antworte ich mit einem klaren Jein. Hocheffizienzpumpen verfügen über eine stufenlose Drehzahlregulierung und einen stromsparenden EC-Motor. Sie sind etwas teurer in der Anschaffung, amortisieren sich aber schon bei Laufzeiten von 3.000 bis 4.000 Stunden jährlich bereits nach drei bis fünf Jahren, was natürlich auch vom Strompreis abhängt. Aber: Erfolgt vorab kein hydraulischer Abgleich, würde die neue Pumpe wieder auf zu hoher Leistung laufen und der positive Effekt wäre dahin oder ist zumindest stark geschmälert.

Worauf sollte man noch achten bei der Anschaffung einer neuen Pumpe?

Seit August 2015 greift die neue Kennzeichnung bei Umwälzpumpen. Das heißt das alte Energieeffizienz-Label A bis G, das man vielleicht vom Kühlschrank kennt und bis dahin auch für Pumpen galt, gibt es nun nicht mehr. Stattdessen ist es der Energie-Effizienz-Index (EEI), dieser sollte sichtbar auf Verpackung und Pumpe zu sehen sein. Nur Umwälzpumpen, die einen EEI-Wert von ≤ 0,27 einhalten, bekommen seit 2013 das CE-Zeichen, mit dem sie auf dem europäischen Markt verkauft werden dürfen. Dieser Wert wird in der Regel nur von Hocheffizienzpumpen erreicht und wurde ab dem 1. August 2015 zudem auf ≤ 0,23 verschärft. Richtlinienkonforme Modell sind mit dem Kürzel „ErP ready“ gekennzeichnet – bei der Neuanschaffung sollte man also unbedingt darauf achten, dass die Pumpe das neue Label trägt.

Lässt sich das Einsparpotenzial einer richtig eingestellten, am besten noch hoch effizienten Pumpe in Zahlen fassen?

Grob vereinfacht kann man mit 60 – 80 Prozent Stromkosteneinsparung rechnen. Ob sich ein Austausch lohnt, ist beispielsweise im „Pumpencheck“ auf www.co2online einsehbar, hierfür benötigt man lediglich den genauen Pumpentyp. Und natürlich hat die Zielgruppe der Unternehmen mit Stromkosten unter 10.000 Euro im Jahr die Möglichkeit, unseren Energie-Check in Anspruch zu nehmen.

Konnten Sie einen Pumpenbesitzer mit Aufdecken des Verbrauchs mal besonders glücklich machen?

Oh ja! Allgemein fragt man sich manchmal beispielsweise, warum die Pumpe für Kälteerzeugung auch im Winter läuft und wer diese Kälte dann eigentlich benötigt? (lacht) Teilt man dies den Zuständigen mit, sind auch sie immer ganz erstaunt und freuen sich über das Einsparpotenzial.
Bei einem anderen guten Beispiel handelte es sich allerdings nicht um ein Unternehmen, sondern um einen Einfamilienhaushalt: Hier war verrückterweise eine Zirkulationspumpe für Warmwasser mit 110 W Leistung und 8.750 Stunden Betriebsdauer jährlich in Verwendung, die in zehn Jahren fast 10.000 kWh Strom verbraucht hat. Das waren rund 2.000 Euro, die vergeudet wurden – eine effiziente Zirkulationspumpe kommt hier mit nur 5 -10 W aus…

Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp für uns?

Viele wissen nicht, dass Hocheffizienzpumpen gefördert werden. KMU haben aber die Möglichkeit, über das BAFA-Förderprogramm „Querschnittstechnologien“ eine Förderung zu erhalten, das ist recht attraktiv. Zudem vergeben auch wir von energiekonsens Fördermittel an Unternehmen, die bis zu 10.000 Euro Stromkosten jährlich haben - hier lohnt es sich, einfach mal einen Beratungstermin zu vereinbaren.

Vielen Dank, Herr Imkeller-Benjes!


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Ulrich Imkeller-Benjes Dipl. Phys.KMU-Berater von derBEKS EnergieEffizienz GmbH

Ulrich Imkeller-Benjes Dipl. Phys.
KMU-Berater von der
BEKS EnergieEffizienz GmbH

Schon gewusst?
Pumpen haben einen Anteil von rund elf Prozent am industriellen Stromverbrauch in Deutschland. Mit zunehmender Förderhöhe und -menge steigen die Energiekosten von Pumpen. Durch eine Optimierung des gesamten Pumpensystems können bis zu 30 Prozent der Energiekosten reduziert werden.

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