Erster plastikfreier Lebensmittelmarkt Bremens stellt seinen Energiebedarf auf den Prüfstand
SelFair-Inhaber Selcuk Demirkapi in seinem Laden
30.11.2017

Erster plastikfreier Lebensmittelmarkt Bremens stellt seinen Energiebedarf auf den Prüfstand

Bei SelFair kann durch Nachrüstung von Türen bei der Kühlung viel Energie gespart werden

Seit rund einem Jahr setzt Selcuk Demirkapi mit seinem neuartigen Konzept eines Lebensmittelladens konsequent auf Nachhaltigkeit: Denn durch den Verzicht auf Umverpackungen wird Müll vermieden. Die gesunden Lebensmittel wandern entweder unverpackt oder in Papiertüten ins Körbchen oder werden von den Kunden in Schraubdeckelgläser abgefüllt. Im Rahmen einer energievisite zum Thema Kälte ließ der innovative Unternehmer seinen rund 120 Quadratmeter großen Laden SelFair am Steintor von Energieberater Philipp Bruck inspizieren.
  

„Mein Lebensmittelladen verfolgt einen nachhaltigen Ansatz, weil ich auf umweltschädliche Verpackungen verzichte und viele regionale Produkte aus biologischem Anbau anbiete“, sagt Inhaber Selcuk Demirkapi. „Da ist es logisch, nur ein Minimum an Energie zu verbrauchen. Ich möchte wissen, wo es Möglichkeiten zur Einsparung gibt.“

Durch die Nachrüstung von Türen mit Gummidichtungen ließen sich im Bereich der offenen Kühlregale, in denen Getränke und Milchprodukte angeboten werden, erhebliche Mengen an Energie einsparen. Denn je besser die energieaufwändige Kühlung in einem geschlossenen System gehalten wird, desto weniger müssen die strombetriebenen Kühlaggregate arbeiten. Das gilt auch für die Kühltheke mit den mediterranen Spezialitäten, die auf Kundenwunsch individuell in Behälter aus Bioplastik gefüllt werden: „Sofortiges Schließen der Schiebetüren nach der Bedienung spart wertvolle Energie ein“, verspricht der KMU-Energieberater vom Ingenieurbüro TARA in Bremen. Energiesparend und umweltentlastend sind im Bereich der Kühlung generell funktionierende Dichtungen und geringe Öffnungszeiten. Dadurch gelangt weniger Feuchtigkeit ins Kühlsystem, was der Bildung von Eis entgegenwirkt. Vereisungen sorgen nämlich immer für einen erhöhten Energiebedarf.

Ebenso simpel wie wirkungsvoll würde der Austausch der derzeit durch Leuchtstoffröhren betriebenen Beleuchtung der Kühlregale durch LEDs den Energiebedarf der Kühlung reduzieren: „Sie verbrauchen etwa zwei Drittel weniger Strom“, erklärt Philipp Bruck. „Dadurch entsteht auch weniger Wärme, die von den Kälteanlagen abgeführt werden muss.“ Deshalb empfiehlt er auch im Kühlraum des Lagers eine Umstellung auf LED-Beleuchtung. Generell rät der Energieberater, beim Kauf von LED-Leuchten auf eine möglichst hohe Lichtausbeute zu achten: Diese ergibt sich aus dem Quotienten von Lichtstrom in Lumen und Strombedarf in Watt, der in jedem Fall wesentlich größer als 100 sein sollte.

Um den Kühlraum so energieeffizient wie möglich zu betreiben, sollte der Rückkühler regelmäßig von Staub befreit werden. Außerdem entlaste ein zuverlässiges Entfernen von Eis am Verdampfer den Verbrauch, so Bruck. Selcuk Demirkapi ist mit den Vorschlägen zur Reduzierung seines Energiebedarfs zufrieden: „Ich hatte schon geahnt, dass ich durch geschlossene Kühlmöbel Energie sparen kann, doch ich habe einige Dinge erfahren, die ich noch nicht wusste und die sich sehr einfach umsetzen lassen. Ich freue mich schon auf die neue Energiebilanz meines Ladens nach der Umsetzung aller Maßnahmen!“