Leuchtendes Vorbild: Energieeffiziente Beleuchtung

Kein Büro könnte ohne sie auskommen, keine Werkstatt und auch kein Produktionsbetrieb: Die Rede ist von Beleuchtung. Kleine Birne, große Wirkung auf den Geldbeutel, denn oft wird unterschätzt, wie viele Leuchtmittel in einem Unternehmen überhaupt im Einsatz sind. Und vor allem, was diese kosten, wenn es sich zum Beispiel noch um die gute alte Glühbirne handelt! Mit dem Thema Beleuchtung beschäftigt sich auch Philipp Bruck, Energieberater beim TARA Ingenieurbüro Bremen. Seit 2011 ist er hier tätig und berät kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), auch ist er Mitglied in unserem Beraternetzwerk. Er besitzt einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen und einen Master in Verfahrenstechnik.

Herr Bruck, vor deutlich mehr als 100 Jahren wurde die Glühlampe erfunden, mittlerweile hat sie allerdings ausgedient. Woran liegt das?

Die Glühlampe war ein beliebtes Leuchtmittel, sie hat sich im Laufe der Zeit aber kaum weiterentwickelt. Man muss bedenken, dass Glühbirnen bis zu 95 Prozent der elektrischen Energie nicht als Licht, sondern als Wärme abgeben, das ist höchst ineffizient. Unter anderem aus diesem Grund haben sich alle Länder der EU dazu entschlossen, Glühlampen nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen. Es wurden zunächst Modelle mit 100 Watt Leistung vom Markt verbannt und so ging es immer weiter. Im September 2016 greift nun eine weitere Stufe dieser umgangssprachlich „Glühlampenverbot“ genannten EU-Richtlinie: Ab diesem Zeitpunkt dürfen einige ineffiziente Niedervolt-Halogenlampen nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Spätestens dann ist es also notwendig, solche Lampen zu ersetzen – sinnvoll ist es wahrscheinlich schon vorher.

Was sind die Alternativen?

Inzwischen sind in fast allen Bereichen Lampen mit LED-Technik die beste Wahl, die von der Lichtausbeute her äußerst effizient sind. Die Lichtausbeute ist das Verhältnis von abgegebenem Lichtstrom in Lumen und aufgenommener elektrischer Leistung in Watt. Um ein Beispiel zu nennen: Typische Halogenspots und -strahler liegen da im Bereich zwischen 10 Lumen pro Watt und 20 Lumen pro Watt, vergleichbare Ersatzlampen auf LED-Basis können über 100 Lumen pro Watt erreichen. Eine Einsparung von 90 Prozent der eingesetzten elektrischen Energie ist also durchaus möglich.

Gibt es, abgesehen vom Austausch der Leuchtmittel, noch weitere Möglichkeiten zur Energieeinsparung?

Durchaus! Nicht nur die Lampen selbst sind für die Energieeffizienz relevant, wichtig ist auch, ob diese bedarfsgerecht verwendet werden. Das heißt: Ist die Beleuchtung nur eingeschaltet, wenn sie tatsächlich genutzt wird? Kann ich zum Beispiel durch Bewegungsmelder die Betriebszeiten der Beleuchtung reduzieren? Das Gleiche gilt für die Nutzung von Tageslicht. Kann ich Teile der Beleuchtung ausschalten, wenn durch Fenster und Oberlichter Tageslicht einfällt? Häufig ermöglicht aber tatsächlich erst ein Austausch eine optimal bedarfsgerechte Beleuchtung, indem dimmbare Leuchtmittel installiert werden. Im Rahmen eines Energie-Checks oder einer Energieberatung Mittelstand kann durch einen Experten gut festgestellt werden, wo sich Potenziale verstecken.

Ist Ihnen ein Kunde in Erinnerung geblieben, bei welchem Sie eine enorm hohe Einsparung durch den Austausch der Beleuchtung in die Wege leiten konnten?

Das höchste Einsparpotenzial ist möglich, wenn effiziente Beleuchtungstechnik und bedarfsgerechte Steuerung kombiniert werden können. Das war zum Beispiel bei einem Logistikunternehmen bezogen auf die Außenbeleuchtung der Fall. Durch die Umstellung auf LED konnten 70 Prozent des Stromverbrauchs eingespart werden und durch eine bedarfsgerechte Steuerung mit Bewegungsmeldern weitere 80 Prozent. Das machte insgesamt 94 Prozent Einsparpotenzial.

Dann machen Sie in Ihrem Job ja wirklich Menschen glücklich…

Häufig freuen sich Unternehmen tatsächlich nach der Umstellung auf neue Beleuchtungstechnik darüber, dass es „endlich wieder hell ist“. Denn oft haben die alten Lampen längst nicht mehr ihre ursprüngliche Beleuchtungsstärke erreicht.

Was gefällt Ihnen denn besonders an Ihrer Arbeit?

Insgesamt gefällt mir an meiner Arbeit, dass ich einen Beitrag zum Klimaschutz leiste, Energieeinsparungen sind schließlich nicht nur gut für die Unternehmen, sondern auch für Umwelt und Klima. Außerdem finde ich es immer wieder spannend, Einblicke in die verschiedenen Betriebe zu erhalten.

Haben Sie noch Tipps für uns, worauf jeder bei der Anschaffung von Leuchtmitteln achten kann?

Das gleiche EU-Energielabel, das Kühlschränke in Energieeffizienzklassen wie B oder A+++ einteilt, gibt es auch für Beleuchtung. Die entscheidende Größe für die Einteilung ist dabei die eben beschriebene Lichtausbeute, die generell eine gute Orientierung gibt, wie energieeffizient ein Leuchtmittel ist.
Unabhängig von der Energieeffizienz ist aber auch die Lebensdauer entscheidend. Es gibt sehr verschiedene Angaben, die beispielsweise beschreiben, wieviel Prozent der Lampen nach der angegebenen Lebensdauer noch wieviel Prozent ihres Lichtstroms erreichen. Wenn die Lebensdauer als „L70/B50“ angegeben ist, ist der Wert zum Beispiel mit Vorsicht zu genießen – denn das bedeutet, dass nach dieser Zeit nur noch die Hälfte der Lampen nur noch 70 Prozent ihres ursprünglichen Lichtstroms erreichen. Das L70 beschreibt die 70 Prozent Restlicht, das B50 die 50 Prozent Ausfallquote nach Ablauf der Lebensdauer. In der Praxis ist bis dahin in der Regel also längst ein Austausch nötig.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Bruck!


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Philipp Bruck

M. Sc. Philipp Bruck,
KMU-Berater,
TARA Ingenieurbüro

Schon gewusst?
Für eine gute Beleuchtung sind Lampen mit hoher Lichtausbeute und elektronischem Vorschaltgerät sowie Leuchten mit hohem Wirkungsgrad und einer sinnvollen Lichtlenkung unabdingbar. Der nutzbare Lichtstrom der Beleuchtung hängt vom Verlust des Vorschaltgerätes, von der Lichtausbeute der Lampe und von der Gestaltung der Leuchte ab. Mit dem richtigen Beleuchtungssystem können Einsparungen von bis zu 50 Pozent erzielt werden.