Bremer Energie-Konsens

Elektroautos - Nischentechnologie oder Mobile der Zukunft?

Chancen und Risiken der Elektromobilität

Comic Zeichnung: Elektroauto


Vor mehr als 100 Jahren lagen Elektromobile bereits gut im Rennen. 1881 stellte Gustave Trouvé das erste praxistaugliche Auto mit Elektromotor vor.

Zwischendurch abgelöst vom Benzinauto steht es heute angesichts von Klimafragen, von peak oil, steigenden Energiepreisen und massenhafter Motorisierung wieder hoch im Kurs.

Als größter Nachteil gilt damals wie heute die geringe Reichweite der Elektroautos. Um dies zu lösen, stecken immer mehr Automobilhersteller Milliardenbeträge in die Entwicklung von Hybrid- und Elektromotoren. Das Elektroauto erlebt sein Comeback. In den Medien liest man fast täglich Meldungen zu neuen Antrieben, neuen Elektromodellen und den Vorteilen der Technik: Elektrofahrzeuge sind leise, effizient und umweltfreundlich. Im Raum Bremen-Oldenburg wird ebenfalls bald Strom getankt: Die Region ist eine der acht Modellregionen, in der Elektrofahrzeuge ab 2010 probeweise über die Straßen rollen.

Aber kann die Technik beim Klimaproblem wirklich helfen? Elektroautos selbst verursachen keine klimaschädlichen Emissionen. Zu berücksichtigen sind jedoch indirekte Emissionen, die in erster Linie von der Art der Stromerzeugung abhängen. Beim Strommix in Deutschland setzt jede verbrauchte Kilowattstunde Strom durchschnittlich 600 Gramm Kohlendioxid Strom frei, beim Bremer Strommix rund 850 Gramm. Damit entspricht die Klimabilanz von Elektroautos in etwa der von Verbrennungsmotoren.

Damit Elektrofahrzeuge zur Minderung des Kohlendioxidausstoßes beitragen, muss der Fahrstrom aus zusätzlichen regenerativen Quellen kommen. Eine spürbare Veränderung werde jedoch erst erreicht, wenn der Elektromotor den Verbrennungsmotor massenhaft und global ersetzt. Das kann noch einige Jahre dauern. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman werden bis 2025 weltweit nur 15 Millionen Elektroautos fahren. Dies wären lediglich 1,5 Prozent des dann vorhandenen Gesamtbestands. Diverse Formen des Hybridantriebs werden vermutlich auf einen Marktanteil von neun Prozent kommen.

Expertenmeinungen

 

Es wird sich zeigen, ob Elektrofahrzeuge künftig das Benzinauto verdrängen können oder ob sie eine Nischentechnologie bleiben. Die energiekonsens hat Experten dazu befragt, welche Chancen und Risiken sie in der Einführung von Elektrofahrzeugen sehen:

 

Foto Herr Schallaböck„Elektro-Fahrzeuge leisten kurzfristig gesehen keinen Beitrag zum Klimaschutz, da sie sich nicht auf einen klimaverträglichen Mix im Stromangebot stützen können. Die notwendige schnelle Reduktion der CO2-Emissionen der PKW kann nur durch verbrauchsärmere herkömmliche Fahrzeuge erreicht werden. Ob Elektrofahrzeuge in 30, 40 Jahren einen Klimaschutzbeitrag leisten können, muss noch erforscht werden.“

Dr. Karl Otto Schallaböck, stellv. Leiter "Zukünftige Energie und Mobilitätsstrukturen" Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie


Foto Frau Homrighausen"Elektromobilität bedeutet für Carsharing-Unternehmen eine technische Herausforderung. Dieser wollen wir uns gerne versuchsweise stellen, um herauszufinden, ob sich Elektroautos in unser System integrieren lassen und inwiefern sie eine positive Umweltwirkung haben. Eine Voraussetzung ist, dass sauberer Strom genutzt wird."

Kerstin Homrighausen, Geschäftsführerin cambio Bremen/Oldenburg

 

 

 

 

 

Foto Herr Zolper„Die swb sieht in der Elektromobilität durch die mögliche Nutzung regenerativen Stroms eine Chance für eine kostengünstige, umweltfreundliche und Ressourcen schonende Mobilität.“

Manfred Zolper, Projektleiter Elektromobilität swb

 

 

 

 

 

 

 

Foto Frau Kellner-Stoll"E-Mobilität ist ein wichtiger Forschungs- und Entwicklungsbereich, der in der Region von großer Bedeutung ist und erfolgreich bearbeitet werden kann. Aber es muss auch über den Tellerrand geschaut werden, um Chancen nicht zu verschenken. Die Technologie muss zum einen mit ganzheitlichen Verkehrskonzepten und zum anderen mit Fragen der Netzintegration wie der nach dem Strom aus erneuerbaren Energieträgern verknüpft werden."

Dr. Rita Kellner-Stoll, Abteilungsleiterin „Umweltwirtschaft, Klima- and Ressourcenschutz“ beim Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa


Foto Herr Linge„Mit Elektrofahrzeugen kann man etwas gegen die Klimaerwärmung tun. Aber nur, wenn dafür Strom aus erneuerbaren Energien genutzt wird. Andere Länder sind dem Deutschen Automobilmarkt bei der Entwicklung alternativer Antriebe allerdings bereits einen Schritt voraus. Das Risiko: Deutsche Autohersteller verpassen den Trend.“

Nils Linge, Pressesprecher ADAC Weser-Ems

 


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