Bremer Energie-Konsens

Unternehmer sind sich einig: Energieeffizienz gehört die Zukunft

150 Teilnehmer bei Kongress „Energie Zukunft Unternehmen“

Effizienzkongress


Klimawandel, Energieeinsparung, Energieeffizienz – das sind Begriffe, mit denen sich die energiekonsens schon seit Jahren täglich beschäftigt.

Nun erreichen sie die Unternehmen der Region. Aber was tun Betriebe konkret für den Klimaschutz? Welchen Herausforderungen stehen Firmen derzeit und künftig gegenüber und wie ist eigentlich der Stand der Forschung?

Passende Antworten hatten zehn Referenten beim Kongress zu Energieeffizienz und Ökonomie am 18. November 2009 im Conference Center im Atlantic Hotel Sail City in Bremerhaven parat. Veranstalter des Kongresses, an dem 150 Gäste teilnahmen, waren die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bremerhaven und die energiekonsens. Dass Bremerhaven der ideale Standort für einen Energieeffizienzkongress ist, sind sich Oberbürgermeister Jörg Schulz und IHK-Präsident Claus Brüggemann einig. Denn mittlerweile hätten regenerative Energien in Wirtschaft und Forschung einen hohen Stellenwert, allen voran die Windkraft.

Der Bremerhavener Tiefkühlkosthersteller Frosta hat am deutschlandweiten „Product Carbon Footprint“-Projekt 2008/2009 teilgenommen und den CO2-Fußabdruck am Beispiel „Tagliatelle Wildlachs“ errechnet. Warum Frosta Wild- und keinen Zuchtlachs verwendet, erklärte Dr. Andreas Bosselmann, Leiter Abteilung Forschung und Entwicklung: „Zuchtlachs hat eine schlechtere Energiebilanz.“ Hauptverursacher von CO2-Emissionen seien im Warenkorb Nahrung generell tierische Lebensmittel.

Warum Unternehmer Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen sollten, machte Marek Wallenfels, Geschäftsführer der Initiative 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz, deutlich: „Die Kosten eines effektiven, sofortigen Klimaschutzes sind nach heutigem Wissen weitaus geringer als die gesamtwirtschaftlichen Folgekosten weiterhin steigender Treibhausgas-Emissionen. Klimaschutz ist nicht nur soziale und ökologische Notwendigkeit. Mit den richtigen Strategien bietet er Chancen, um Unternehmen und den Standort Deutschland langfristig noch wettbewerbsfähiger zu machen.“

Wie die Entsorgungswirtschaft Klimaschutz betreibt, veranschaulichte Peter Hoffmeyer, Vorstandsvorsitzender der Nehlsen AG: „Wir müssen von der Abfall- über die Recycling- zur Ressourcenwirtschaft kommen. Derzeit werden 65 Prozent des deutschen Abfallaufkommens recycelt oder als Ersatz für primäre Energieträger genutzt. Durch den Rückgang der Deponiegase wie Methan trägt die Entsorgungswirtschaft rund zehn Prozent zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele bei. In Deutschland werden nur noch 22 Millionen Tonnen deponiert. In Amerika hingegen sind es noch 230 Millionen Tonnen.“

Dass Energieeffizienz Bestandteil von Großaufträgen sein kann, machte Ingo Kramer deutlich. Der Chef der J. Heinr. Kramer Holding GmbH hat für das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung die Forschungsstation Neumeyer III in der Antarktis entwickelt und realisiert. „Die Abwärme aus der Stromerzeugung musste mit hohem Wirkungsgrad für die Heizung der Station verwendet werden“, erläuterte Kramer, der auch Vize-Präsident der IHK Bremerhaven ist.

Mitveranstalter des Kongresses Dr. Cornelis Rasmussen, Geschäftsführer der energiekonsens, ist sich sicher, dass in vielen Unternehmen das Potenzial von Energieanalysen noch nicht hinreichend bekannt ist. Deswegen betont er gern immer wieder, „dass es in Gewerbebetrieben erhebliche Einsparpotenziale gibt – im Schnitt 20 Prozent. Energieanalysen decken diese Potenziale auf. Die Analysen werden derzeit für kleine und mittlere Unternehmen mit 80 Prozent gefördert.“

Durch die Umsetzung verschiedener Maßnahmen hat die Onno Behrends GmbH & Co. KG fast 70 Prozent Gas und 30 Prozent Strom eingespart. „Unser Versorger dachte, wir hätten die Zähler manipuliert.“ Dem war aber nicht so. Werksleiter Christian Abrams und sein Team haben handfeste Maßnahmen umgesetzt. Darunter: Einblasen von Mineralwolle in die Hohlschicht des Verwaltungsgebäudes, Austausch alter Leuchtstoffröhren durch T-5-Röhren, Wärmerückgewinnung in der Produktion zum Heizen der Lagerhallen, Einführung einer Spitzenlast-Erfassung mit Abschaltung einzelner Verbraucher. Onno Behrends spart so über 60.000 Euro im Jahr und zusätzlich 15.000 Euro durch Spitzenlastreduzierung. Demgegenüber stehen einmalige Investitionen in Höhe von 100.000 Euro. „Damit schonen wir nicht nur die Umwelt, damit sichern wir auch unseren Standort.“

Bernd Langer, Geschäftsführer der BEKS EnergieEffizienz GmbH, bedauert, dass das Thema Energieeffizienz im Gegensatz zur Onno Behrends GmbH in vielen Unternehmen derzeit noch eine geringe Priorität hat. „Und das, obwohl sich mithilfe verschiedener Maßnahmen Kosten senken und Wettbewerbsvorteile sichern lassen und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann.“ Die BEKS lädt Unternehmen ein, am Energieeffzienztisch NordWest 2 Platz zu nehmen, um genau das zu erreichen.

Dass sich energieeffizientes Handeln auch fürs Image lohnt, machte Martin Schulze vom RKW Bremen deutlich: „Unternehmen, die sich im betrieblichen Klimaschutz besonders engagieren, werden mit dem Titel ‚Klimaschutzbetrieb’ ausgezeichnet. Voraussetzung ist der Nachweis einer CO2-Reduzierung von 20 Prozent innerhalb der vergangenen fünf Jahre.“ Mittlerweile sind acht Unternehmen zu Klimaschutzbetrieben geworden und haben insgesamt 6.850 Tonnen CO2 eingespart. „Diese Emissionen würde ein Mittelklassewagen verursachen, der 1000-mal um die Erde fährt.“

Christian Ehlers, Geschäftsführer der Holzhandlung Hermann Ehlers GmbH & Co. KG, ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Strom sich in einem Betrieb einsparen lässt: „Durch eine Bündelung von Maßnahmen konnten wir unseren Stromverbrauch auf unter 20.000 kWh senken. Das hat dazu geführt, dass bei uns ein Haushaltszähler installiert wurde. Meine Empfehlung: Machen Sie in Ihrem Unternehmen Betroffene zu Beteiligten und platzieren Sie eventuell ein finanzielles Anreizsystem. Das lohnt sich. Denn in der Regel kann mehr als zehn Prozent Energie allein durch das ändern des Nutzungsverhaltens der Mitarbeiter eingespart werden – ohne eine Investition.“

Auf die Relevanz eines Energiemanagementsystems wies Volker Sonntag, Projektleiter Energie-Controlling-System bei der Kevag AG, hin: „Durch Energiemanagementsysteme lassen sich enorme Energieeffizienzsteigerungen eines Unternehmens begründen. Energiemanagement ist die vorausschauende, organisierte und systematische Koordinierung von Beschaffung, Wandlung, Verteilung und Nutzung von Energie zur Deckung der Anforderungen unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Zielsetzungen.“

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