Auf energievisite mit Ulrich Römer
17.03.2017

Auf energievisite mit Ulrich Römer

Wir waren mit Energieexperten Ulrich Römer auf energievisite, um mögliche Einsparpotenziale in Serverräumen ausfindig zu machen.
  

Sie laufen, wenn alle schon Feierabend haben: Server

Ein Unternehmen, das sich der Energieeffizienz annehmen möchte. „Klingt gut“, findet nicht nur Ulrich Römer und schlägt vor, sich als erstes den Server des Unternehmens genauer anzuschauen. „Da ernte ich die ersten zweifelnden Blicke“, lacht der Energieexperte mit einem Seitenblick auf mich und erklärt, „bei Energieeinsparung kommt wirklich nur ganz wenigen Menschen der Server direkt in den Sinn.“ Dabei schlummerten genau hier ungeahnte Potenziale. Laut einer Studie von Gartner (Quelle) verbraucht ein Standard-Server in einem Lebenszyklus von vier Jahren um die 1500 Euro. Das entspricht beinahe seinen Anschaffungskosten. Zahlen, die wahrscheinlich nicht nur bei Betriebswirten erstes Grübeln verursachen. Meine Gedankengänge werden jedoch jäh durch einen Hinweis von Römer durchbrochen. Man müsse wissen, dass oft lediglich die Hälfte des Energieverbrauchs im Serverraum auf den Server entfällt. Der Rest würde für die geschaffene Infrastruktur benötigt. Aha, denke ich. Nun wäre doch eine Angabe zum gesamten Energieverbrauch für den Serverraum hilfreich … „Genau das ist das Problem.“, erklärt mir Römer. „Ich kenne kaum Unternehmen, bei denen der Serverraum einen eigenen Stromzähler hat, geschweige denn je einen für den Server und die Infrastruktur.“ Dabei wäre genau das ein wichtiger Schritt. Erst so wird die Dimension des hier anfallenden Stromverbrauchs sichtbar. Und natürlich die Höhe der möglichen Energieeinsparpotenziale im Serverraum. „Die liegen in vielen Fällen bei bis zu 50 Prozent.“
Führt der Ingenieur dann bei einem Unternehmen eine energievisite:server durch, werden große Einsparpotenziale in der Regel bereits beim Betreten des Serverraums spürbar. „Es ist zu kalt“, erklärt er kurz. Meistens wäre der Raum zu stark klimatisiert. „Vielerorts ist man der Meinung, dass besonders niedrige Temperaturen einen Zeitpuffer bei Ausfall der Klimaanlage ermöglicht. Das ist aber unrealistisch. Genauso, wie eine Notfall-Klimaanlage im Dauerbetrieb parallel zur regulären Klimaanlage“, führt Römer weiter aus und spricht sich für eine Soll-Temperatur von ca. 26°C im Serverraum aus oder bei entsprechenden Voraussetzungen noch höher.
Ebenfalls auf das Sicherheitsbedürfnis der Kunden zurückzuführen sei die Dimensionierung der elektrischen Leistung der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV). „Generell gilt die Formel: überdimensionierte Anlage = schlechterer Wirkungsgrad“, sagt Römer und ergänzt, dass nicht eine zusätzliche Leistungsreserve, sondern die gesicherte Dauer der Strombereitstellung also die Kapazität der Akkus entscheidend sei.
Nach fehlenden Zählern, zu niedriger Temperatur, falsch kalkulierter unterbrechungsfreien Stromversorgung käme als nächster relevanter Punkt stets das Thema Einkauf. „Hier achten viele Unternehmen nur auf den Anschaffungspreis der Teile. Dabei ließe sich mit effizienteren Netzteilen bis zu 10 Prozent Strom sparen.“ Nicht schlecht, denke ich.
„Und dann gibt es fünftens ja noch die komatösen Server“, wirft Römer ein. Die was? „Komatöse Server. Server, die eigentlich nicht mehr benötigt werden.“ Die gäbe es in vielen Unternehmen. Irgendwann mal für ein längst abgeschlossenes. „Hier muss man Mut haben und den entsprechenden Server auch mal - natürlich nach Abstimmung mit den Nutzern - abschalten. Das spart 100 Prozent Energie“, sagt Römer, um dann aber hinzuzufügen: „Das betrifft natürlich nur einzelne Server unter bestimmten Umständen. Insgesamt geht Datensicherheit natürlich vor.“ Aber auch unter dieser Maßgabe ließe sich durch Virtualisierung und ein richtiges Servermanagement sehr viel Energie sparen. „Das Jahr hat 8760 Stunden. Davon arbeiten wir rund 2000 Stunden. Durch virtuelle Server und den Nacht- bzw. Feiertagsbetrieb ließe sich sehr viel Energie sparen.“